05.04.2021

Das Handwerk im Wandel, zwischen Tradition und Modernisierung

Das Handwerk ist einer der traditionsreichsten Berufszweige und gilt in seinen einzelnen Ausrichtungen schon länger als Immaterielles Kulturerbe, zu dem beispielsweise in diesem Jahr auch das Uhrmacherhandwerk ernannt wurde. Seit seinem Ursprung in der Antike hat das Handwerk sich weit und vor allem vielfältig entwickelt. Die unterschiedlichsten Techniken und Berufe sind im Laufe der Jahre entstanden. Doch wie sieht das Bild des Handwerks und des Handwerkers heutzutage aus und wie hat sich die Wirklichkeit durch Modernisierung und wachsende Emanzipation verändert?

Der Handwerker ist heute tätowiert und fährt Porsche

Das Handwerk kämpft seit jeher mit gewissen Stigmata und Klischees. Allgemein herrscht immer noch ein Bild des Handwerkers vor, das mit der Wirklichkeit nicht mehr viel am Hut hat. Manche assoziieren damit etwas übertrieben dargestellt einen Mann, der mit einem weißen Kastenwagen vorfährt und einen Blaumann trägt, auf dem vielleicht noch von der zur Mittagszeit hastig verspeisten Bratwurst ein Senffleck klebt. 

Marcel Kreutter, auf Instagram @Raumecht, zeigt wie es anders geht. Auf seinen Fingerknochen hat er das Wort Handwerk als Tattoo stehen, er lebt seinen Beruf mit voller Leidenschaft aus und erzählt, wie er es geschafft hat, mit seinem Beruf erfolgreich zu sein.

„Darf man als Handwerker Porsche fahren?“ - fragt er in einem seiner Instagram Posts.

„Ja natürlich darf man das, wer hart arbeitet muss sich nicht verstecken, nur weil die Gesellschaft sagt, Handwerker seien nicht so viel wert. Das Handwerk muss sich auf die goldenen Zeiten zurückbesinnen und wieder stolz sein auf das, was es ist. Wir brauchen mehr junge Menschen, die eine Ausbildung im Handwerk machen. Mehr junge Menschen, die ihren Beruf lieben. Mehr junge Menschen, die ihren Beruf leben. 

Ich lebe meinen Beruf und mein Team steht hinter mir. Wenn es darauf ankommt, steh ich vor meinem Team. Erfolg ist kein Glück, sondern nur das Ergebnis aus Blut, Schweiß und Tränen. Arbeitet miteinander statt gegeneinander. Das Handwerk unterstützt sich.“

Ein reiner Männerjob?

Bedingt durch die sehr gute Auftragslage der letzten Jahre und die zunehmende Emanzipation in der Gesellschaft wird auch bei Frauen immer häufiger das Interesse geweckt, einen handwerklichen Beruf auszuüben. Events wie der Girls Day, an dem sich Frauen und Mädchen in klassischen Männerberufen ausprobieren können, mögen hierzu ebenso beitragen. 

In den letzten 25 Jahren ist auch die Anzahl der abgeschlossenen Meisterprüfungen von Frauen um 50 % gestiegen. In vielen Segmenten mit einem Männeranteil von gut und gerne 80 % steigt der Frauenanteil stark, bei den Malern und Lackierern allein im letzten Jahr um 6,5%. Dazu kommt, dass zuletzt bereits jeder vierte gegründete Handwerksbetrieb einer Frau gehörte.

Des Weiteren hat das Handwerksblatt vor zehn Jahren einen neuen Titel ins Leben gerufen: Miss und Mister Handwerk des Jahres. Jule Rombey, Tischlerin, wurde im letzten Jahr zur Miss Handwerk 2020 gekürt. Auf ihrem Instagram Account @jule.rmby agiert sie als Ausbildungsbotschafterin und teilt ihre Passion für das Tischlern. „Auf den Zehntelmillimeter genau sein. Das mache ich am aller liebsten“, sagt sie.

Digitalisierung bringt das Handwerk weit nach vorne

Menschen wie Marcel Kreutter oder Jule Rombey setzen auf Instagram als Werbekanal für das Handwerk. Sie zeigen dort ihren Alltag und die spannenden Aspekte ihres Berufs. 

Auch Felix Schröder, auf Instagram @GipserFelix mit knapp 24 Tausend Abonnenten, entspricht nicht unbedingt dem typischen Erscheinungsbild eines Handwerkers. Er zeigt auf seinem Kanal wie vielseitig und cool sein Beruf als Gipser ist: „Ich bin auf Instagram unterwegs, um jungen Leuten das Handwerk näherzubringen. Es ist einfach toll, jeden Tag etwas Neues zu schaffen. Oder eine Fassade zu sehen und zu sagen: Daran habe ich gearbeitet, das habe ich geschafft!“

Die sozialen Medien tragen so dazu bei, dass das in der Gesellschaft verankerte Bild der Handwerkerin und des Handwerkers sich verändert und auch attraktiver wird. Durch Instagram und Co. wird gezeigt, wie man eben auch seine kreative Ader durch einen handwerklichen Beruf ausleben kann, und dass Erfolg und ein hoher Lebensstandard möglich sind.

Neue Wege und Möglichkeiten sind entstanden

Um am Puls der Zeit zu bleiben, muss nun nicht jeder zum Social Media Experten werden und sich tagtäglich mit Selfies von der Baustelle seinen Followern präsentieren. Keiner erwartet vom zwar modernen und zeitgemäß auftretenden Handwerksbetrieb, dass er gleichermaßen auch zum „Influencer“ wird, um im 21. Jahrhundert noch bestehen zu können. 

Doch warum nicht im kleinen Rahmen anfangen und die vorhandenen Möglichkeiten nutzen, die für uns alle schon selbstverständlich und Alltag geworden sind? Das Smartphone in der Tasche kann einfach und schnell zum digitalen Sprachrohr werden. Jeden Abend den Fortschritt der Baustelle oder den Stand der Dinge bei der Auftragsarbeit mit ein paar Fotos per WhatsApp und Co. dem Auftraggeber zeigen. Das schafft nicht nur eine gewisse Transparenz der eigenen Leistung, sondern überrascht den Empfänger häufig positiv, auch wenn er an anderer Stelle beispielsweise eine durchgehende Onlineverfolgung der nächsten Lieferung ebenfalls schon lange gewohnt ist. Vom Handwerker ist das noch kein erwarteter Standard. 

Auch eine eigene Website ist keine Zauberei mehr und wird vielfach schon mit wenig Kosten und Aufwand angeboten, so dass man lediglich in regelmäßigen Abständen nur noch die neuesten Projekte hinzufügen muss. Eine Website ist heutzutage das Schaufenster des Betriebes und präsentiert das Können und Leistungsspektrum einer breiten Öffentlichkeit. Sie ist vielfach erster Anlaufpunkt für Interessenten und vermittelt einen Eindruck dessen, was der Handwerker fachmännisch umsetzen kann.

Stehen sich Tradition, Industrialisierung und Moderne gegenüber?

Das Handwerkskunst ist immer auch ein wichtiger Baustein, um genau diese Kunst zu erhalten. Viele Arbeiten wurden mit der Industrialisierung durch Maschinen ersetzt, und auch die Wichtigkeit und das Ansehen des Handwerkes in der Gesellschaft nahmen ab. Tradition und Kultur liefen Gefahr, im Zuge dieser Entwicklung verloren zu gehen. 

Doch im Laufe des Jahrhunderts wurde immer mehr klar, dass reine industrielle Arbeit nicht der Schlüssel zum Erfolg ist und vor allen Dingen auch ein Umdenken stattfindet. Die Flachsfaser oder das Fischleder waren zum Beispiel Stoffe, die in Vergessenheit geraten sind, jetzt aber wieder an Bedeutung gewinnen, weil sie von Handwerkern in alter Weise neu umgesetzt werden.

Gerade in Corona-Zeiten hat sich das Verhalten der Menschen gewandelt. Vieles wird durch Onlinerecherche ersetzt, wo früher der Ausflug zum Handwerkermarkt am Wochenende auf dem Programm stand. Dort hat man genau solche schon fast ausgestorbenen Künste für sich entdecken können, um sie bei der nächsten Renovierung zu berücksichtigen. Die Herausforderung an Handwerker in den 2020er Jahren mag es also sein, den für sich passenden Mittelweg zwischen handgeschaffener Arbeit und digitaler Darstellung zu finden. Dafür gibt es keinen über Generationen hinweg überlieferten Bauplan. Nur den Hinweis, sich auch mit langer Tradition nicht der Moderne zu verschließen. Fakt ist jedenfalls, dass das Handwerk wahrscheinlich vielseitiger ist als jemals zuvor, und vor allem vielseitiger als so manch einer denkt. Wir sind sehr gespannt, welche Entwicklungen die Zukunft auf dem Gebiet bringen wird und unterstützen unsere Partner gerne auf ihrem Weg.

 

Wenn Sie mehr über Marcel Kreutter erfahren wollen, schauen Sie doch auch mal in den "Partner des Monats"-Beitrag wo wir ihn und Raumecht vorgestellt haben!

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